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01.09.2008

Lesezeit: etwa 3 Minuten

Armuts-Studie: Es kann jeden „treffen“

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Bericht
Langzeitarbeitslose sind von der Thematik her so langweilig geworden, dass man schon „Doku-Serien“ über ihre angeblichen Betrügereien drehen muss. Sicherlich gibt es immer Leute, die ein soziales Netz auszunutzen wissen, aber entgegen aller Propaganda sind es verschwindend wenige, zumal man bedenken muss, dass die gerne aufgeführten Ausländer kaum mal einen „Sozialbetrug“ begehen, sondern die übermäßige und bevorzugte Behandlung der BRD-Stellen lediglich nutzen. Der eigentliche Sozialbetrug - und zwar vonseiten der Wirtschaft - findet auf einer ganz anderen Ebene statt, nämlich bei den Menschen, die noch in „Lohn und Brot“ stehen.

„Immer mehr Deutsche arbeiten im Niedriglohnsektor, das heißt, sie verdienen weniger als sieben Euro in der Stunde. Gleichzeitig sinken die Reallöhne der Geringverdienenden, fanden Prof. Dr. Gerhard Bosch und weitere Wissenschaftler des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) von der Universität Duisburg-Essen heraus.“ berichtet u.a. RP-ONLINE

Das „Realeinkommen“ ist im Vergleich zu 1995 bei den Geringverdienern um fast 14 % gesunken, zum „Ausgleich“ hat das Realeinkommen der Besserverdiener etwas über 3 % zugelegt. Wer jetzt abwinkt mit dem Argument, es handele sich dabei um „Minijobs“ und dergleichen, wird durch die Studie eines besseren belehrt: „Von den sinkenden Realeinkommen in Deutschland sind auch immer mehr Vollzeitbeschäftigte betroffen, erklärt Bettina Hieming, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts Arbeit und Qualifiaktion: »1995 arbeitete nur jeder neunte in Vollzeit im Niedriglohnsektor. 2006 war es bereits jeder siebte.« Außerdem arbeiteten bei weitem nicht nur Gering-Qualifizierte für niedrige Löhne: »Arbeitnehmer im Niedriglohnsektor sind zunehmend qualifiziert: Drei von vier haben eine abgeschlossene Berufsausbildung oder sogar einen akademischen Abschluss.« Drei von vier Geringverdienenden sind formal qualifiziert - im internationalen Vergleich ist dies ein sehr hoher Wert“

In einem Land, das ehemals die hervorragendsten Köpfe hervorbrachte, ist der sogenannte Niedriglohnsektor zwischen 1995 und 2006 um etwa 50 % angestiegen, belegt bereits 2006 etwas über 22 % der Arbeitnehmerzahl in der BRD und ist damit höher als in den anderen EU-Mitgliedstaaten.

Die Studie begründet die sinkenden Reallöhne bei gleichzeitigem Anstieg der Zahl der Geringverdienenden damit, „dass ehemals gut bezahlter Arbeit in schlechter bezahlende Betriebe auslagert wird. »Seit den Hartz-Reformen ist der Druck gestiegen, auch schlecht bezahlte Arbeitsplätze anzunehmen«, führt Hieming einen weiteren Grund an.“ Die Privatisierung ehemals „staatlicher“ Dienstleistungen wie Post, Telekommunikation usw. beschleunigt diese Entwicklung massiv.

„Die Zahlen sind bestürzend, ihre Botschaft ist nicht mehr zu leugnen. Die Spaltung der deutschen Gesellschaft in viele Verlierer und wenige Gewinner hat ein Ausmaß erreicht, das noch vor kurzem undenkbar erschien.“ empört sich formvollendet der TAGESSPIEGEL und schreit wieder einmal nach dem vollkommen nutzlosen „Instrument“ des Mindestlohnes. Geradezu als niedlich, kann die traumtänzerische Behauptung, der Niedergang der ostdeutschen Industrie sei an allem schuld, gedeutet werden. Die mitteldeutsche Industrie ist wohl kaum „niedergegangen“, sondern gezielt zerschlagen worden.

In diesem Zusammenhang ist interessant zu lesen, dass eine andere Statistik den weltweiten Rückgang der Armut nachweist. Aufschlußreich dabei ist nur, daß der massive Rückgang der Armut gerade in dem bösesten aller Länder, in China, festgestellt wurde. Dies allerdings bewirkt, dass die westlichen Länder eine Steigerung der Armut zu verzeichnen haben.

Bericht auf der Spatz-Seite: „Eine Studie der Weltbank bringt zum Vorschein, dass die Anzahl der Armen innerhalb 25 Jahre um 500 Millionen zurück gegangen ist. Laut dem Bericht sind allein in China 628 Millionen aus der Armut befreit worden - dabei hat die Weltbank übrigens erheblich geholfen.

Aber entweder mache ich einen Denkfehler, oder das bedeutet wirklich, dass die Armut ausserhalb Chinas zugenommen hat. Das wäre dann aber nicht im Sinne der Weltbank gewesen, denke ich...Auf die enormen Anstrengungen Chinas in der Bekämpfung der Armut wiesen kürzlich auch vier Deutsche im ZDF Nachtstudio, die in China leben, hin. Eigene Meinungen und Erfahrungen abseits von Propaganda.
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