24.09.2006
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Bild bildet - oder auch nicht...
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Zur Hauptseite wechselnMitteilung
Wer sich überlegte, welchen Einfluß wohl das Techtelmechtel des Springer-Konzerns mit dem Finanz- und Medieninvestor Haim Saban (israelischer und US-amerikanischer Staatsbürger, mit, laut „Spiegel“, Kontakten in höchste israelische Kreise) auf die Organe von Springer haben könne, den wird die Bild-Berichterstattung im nun wieder in ruhigerem Gewässer verlaufenden Nahost-Krieg nicht überraschen.
Bild selbst erklärt sich zum Anwalt einer Ausgewogenheit in der Berichterstattung und fragt: „Wie ausgewogen berichten ARD und ZDF über den Konflikt in Nahost?“ Die Antwort liefert das von Bild beauftragte Forschungsinstitut Media Tenor: „In ihren Hauptnachrichtensendungen werden ARD und ZDF ihrem Auftrag der unparteilichen und unabhängigen Berichterstattung über die Vorgänge im Nahen Osten nicht gerecht.“ Es werde Gewalt „in erster Linie als Tat der Armee Israels vermittelt“ und: „Die Gewalt der Hisbollah wird erst am Ende der Beiträge erwähnt - wenn überhaupt.“
Der deutsche Michel reibt sich verwundert die Augen: ARD und ZDF nicht freundlich genug zu Israel? Das war dann selbst Dr. Kai Gniffke von ARD-aktuell zuviel: „Wir berichten unparteiisch, kompetent und verständlich, daran werden auch fragwürdige Studien nichts ändern.“
Welche Schwerpunkte Bild selbst setzt, verdeutlichte man auch am 9. August, nach der Bombardierung eines Flüchtlingslagers durch Israel. Während Spiegel meldet: „Israel beschießt Flüchtingslager“ und T-Online berichtet „Flüchtlingslager im Libanon bombardiert“ liest man zeitgleich bei Bild: „Israel weitet Bodenoffensive aus“ und „Hisbollah feuert rund 100 Raketen auf Israel ab.“
Auch ansonsten finden sich bei Bild merkwürdige Zeugnisse von unabhängigem Journalismus. So schreibt man am 8. August von der „Inhaftierung“ des palästinensischen Parlamentspräsidenten Duaik durch israelische Soldaten. Die Entführung eines Parlamentspräsidenten durch einen Fremdstaat als Inhaftierung zu verkaufen, setzt wohl eine gewisse Losgelöstheit von journalistischen Grundsätzen voraus.
In den ersten Bomben-Kriegstagen fragt Bild manipulativ-aufklärerisch: „Warum zerstört Israel Brücken und Straßen?“ Die Antworten gibt u.a. Marcus Sheff, Sprecher der israelischen Streitkräfte. Kann denn Journalismus ausgewogener sein?!