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01.06.2011

Lesezeit: etwa 4 Minuten

Fragwürdige Statistiken - Wer es glaubt wird selig: Weniger Arbeitslose in Deutschland

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Es gibt Märchen, die mittlerweile Klassiker-Status erlangt haben. Unter anderem das Märchen von den sinkenden Arbeitslosenzahlen.

 

Auch dieser Tage muß sich der interessierte Beobachter wieder von schöngefärbten Zahlen auf den Arm genommen fühlen. Seit Jahren wird uns in regelmäßigen Abständen vermittelt, daß sich die Arbeitslosenzahlen nach unten entwickeln würden. So klopfen sich nun landauf landab viele regierende Politiker gegenseitig auf die Schulter, daß die Zahl der Arbeitslosen hierzulande unter 3 Millionen gesunken sei.

 

Doch gehört es mittlerweile zum Allgemeinwissen, daß sinkende Arbeitslosenzahlen das Resultat vielfältiger Manipulationen sind. Die Arbeitslosenzahlen gelten mithin als Indikator für die Leistungsfähigkeit einer Bundesregierung, hiermit will man beweisen, daß man die Lage im Griff habe.

 

Doch ist dem wirklich so? Mittlerweile sind 7,3 Millionen Deutsche in so genannten Minijobs beschäftigt, welche ein klassisches Arbeitsmarktinstrument darstellen, unzählige Arbeitnehmer aus der offiziellen Arbeitslosenstatistik herauszumogeln, ihnen aber dennoch kein existenzsicherndes Einkommen zu gewähren. Minijobarbeitsverhältnisse bringen zweierlei mit sich: die Beschäftigten sind raus aus der Statistik, aber weiterhin drin in der Armut und finanziell prekären Lebenssituation.

 

Zusätzlich sind in den Arbeitslosenstatistiken diejenigen nicht mehr zu finden, die einem so genannten Ein-Euro-Job nachgehen, die an Maßnahmen der Arbeitsförderung teilnehmen, also Fort- und Weiterbildungen sowie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und diejenigen, mit deren Vermittlung private Agenturen beauftragt sind. Auch wer sich erst gar nicht meldet oder wer nicht mindestens 15 Stunden pro Woche arbeiten kann, gilt nicht als arbeitssuchend.

 

Älteren Arbeitnehmern ab 55 Jahren wird von den staatlichen Stellen allzu oft nahegelegt, frühzeitig die Altersrente zu beantragen, um auch diese verstärkt aus der Statistik zu schummeln. Das Renteneintrittsalter dennoch im gleichen Atemzug auf 67 oder gar 69 zu erhöhen, kommt einer unübersehbaren Schizophrenie gleich.

 

Alljährlich verlassen unser Land zwischen 120.000 und 140.000 Deutsche, weil sie hierzulande keine Berufs- und Lebensperspektive mehr wahrnehmen. Auch diese tauchen folglich nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auf. Flankiert wird diese verheerende Entwicklung durch Auswanderungsprämien und dementsprechende Propaganda der Massenmedien.

 

Das größte Betrugsinstrument im Zusammenhang mit der Manipulation der Arbeitslosenzahlen ist das HartzIV-Unrecht. Reichen die Bezüge oft weder zum Leben noch zum Sterben, entfremdet diese „Reform“ die Betroffenen in der Folge von der Arbeit und selbstbestimmten Existenzsicherung. Derzeit beziehen nahezu vier Millionen Haushalte HartzIV und tauchen somit in der offiziellen Statistik nicht mehr auf.

 

Berücksichtigt man all diese Menschen und Einzelschicksale verkommt das Loblied auf die erfolgreiche Arbeitsmarktentwicklung zu einer Farce. Und meint man, daß wenigstens diejenigen, die in Arbeit kamen, ordentlich und leistungsgerecht entlohnt werden, sieht man sich getäuscht. Der Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel hat schon vor einigen Wochen darauf hingewiesen, daß mehr als die Hälfte der neu geschaffenen Stellen unsicher und vor allem niedrig entlohnt seien. Zeit- und Leiharbeit, Minijobs und befristete Verträge mit staatlicher Aufstockung haben Hochkonjunktur – Vollzeitstellen mit sozial verträglichen Löhnen verkommen zur Rarität.

 

Selbst die Tagesschau musste zugeben, daß die Arbeitslosenzahlen von heute nicht ohne Weiteres mit denen von früher zu vergleichen seien, da die Berechnungsgrundsätze ständig geändert werden, um weiterhin eine positive Entwicklung vorzugaukeln.

 

Man tut wohl auch weiterhin gut daran, nicht den Propaganda-Statistiken der Herrschenden zu glauben, die ohnehin nur den Zweck haben, das Volk im Glauben an eine positive Entwicklung zu lassen. Daß die Zahlen getürkt und gefälscht sind, ist angesichts alltäglicher Meldungen über Betriebsschließungen, Produktionsstättenverlagerungen ins Ausland und betriebswirtschaftlicher Sanierungen(auf deutsch: Massenentlassungen) so sicher wie das Amen in der Kirche.

 

Die Arbeitslosigkeit wird so lange hierzulande ihren Massencharakter behalten, wie man sich sozial-, wirtschafts- und steuerpolitisch nicht auf ureigene deutsche Interessen besinnt. So lange der Staat Heuschrecken und Finanzhaie gewähren läßt anstatt den Mittelstand als Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft zu schützen, so lange Steuergelder über den gesamten Globus verstreut werden anstatt sie in Familien und das Bildungssystem zu investieren, so lange der Arbeitsmarkt für Osteuropäer geöffnet, für deutsche Langzeitarbeitslose aber tendenziell verschlossen bleibt, müssen wir uns an Arbeitslosenzahlen um die 7-8 Millionen und mehr gewöhnen.

 

Der Chef der Arbeitslosenagentur Weise sagte zu der für ihn und seine Chef-Manipulatoren erfreulichen Entwicklung: „Wir haben diesen Stresstest des radikalen wirtschaftlichen Einbruchs überstanden." Ob die inoffiziell weiterhin 7 Millionen Arbeitslosen, die 7,3 Millionen geringfügig Beschäftigten und deren in prekären finanziellen Verhältnissen aufwachsenden Kinder das genauso wie Weise sehen, ist mehr als fraglich.

 

Ronny Zasowk
Referatsleiter Politik
 

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